Paul baut eine Drehorgel - warum erst jetzt ?

Es war ein eingeschlafener Jugendtraum bis zum Konzertbesuch 2021 in der Predigerkirche. Mich interessierte damals: wenn eine 20er Drehorgel kaum eine chromatische Tonfolge haben kann, welche Tonarten gespielt werden können. Der angefragte Spieler konnte mir keine Auskunft geben und so suchte ich mein Glück im Internet.

Bei dieser Recherche stiess ich zufällig auf die Seiten von Weil , und erfuhr dort, dass es eine Bauanleitung von W. Höffle in deutscher Sprache gibt. Nach einigen Wochen Planstudium und eigenen Plänen war mir klar, dass die Möglichkeiten, selber eine Orgel zu bauen, nie besser waren als jetzt. Gelernter Schreiner mit breitem Wissen und Planverständnis, Zugang zur professionell eingerichteter Freizeitwerkstatt, eigene kleine Kellerwerkstatt, Internet, etwas Musiktheorie und als Pensionierter auch Zeit.

Ich wagte es! (Dass so ein Projekt beim ersten Mal auch nicht zum gewünschten Ziel führen kann, war mir eine ständige Begleitung)

Ich teile die Orgel in 3 Teile. Zu unterst ist die Lunge, der Blasbalg, er sorgt für die nötige Luft. (Orgelsprache: Wind), darüber das Herz, mit den Ventilen, der Windlade und dem Pfeifenstock, welche die Impulse an die Pfeifen weitergeben. Oben ist der Kopf, die Steuerung. Sie kann die Noten lesen und sorgt pneumatisch und mechanisch für das Zusammenspiel der Ebenen. Schlussendlich sind es aber dann doch die Pfeifen, Flöten-, Piccolo-, Violinen- und Panpfeifen, die die Töne hervorbringen.

Der Blasbalg besteht aus 4 Schöpfbalgen und einem Magazinbalg. Dieser wird durch eine Druckfeder so gepresst, dass ein gleichbleibender Luftdruck entsteht. Damit diese Balgen auch wirklich luftdicht sind, werden sie mit Leder ummantelt. Nach mehreren Anfragen fand ich eine Firma, die mir das benötigte Stück Leder liefern konnte, ohne dass ich gleich ein ganzes Fell einkaufen musste (Pferde-Napa). Der Magazinbalg ist mit einem Überdruckventil ausgestattet, damit nichts platzt, wenn mehr geschöpft als verbraucht wird.

So funktioniert eine Drehorgel

Das Zusammenspiel erfolgt in drei Hauptschritten:

  • Lufterzeugung (Blasebalg): Durch das Drehen der Kurbel wird im Inneren ein Blasebalg (Schöpfbalg) betätigt. Dieser pumpt Luft in einen Windladen, in dem ein konstanter Luftdruck aufgebaut wird.
  • Abtastung des Notenbands: Gleichzeitig wird das Notenband über einen sogenannten Spieltisch oder Abnehmer gezogen.
    • Kein Loch: Der Luftweg bleibt verschlossen; es strömt keine Luft zur Pfeife.
    • Loch im Band: Das Loch gibt eine Bohrung am Abnehmer frei. Dadurch entsteht eine Druckdifferenz, die ein Ventil öffnet.
  • Tonerzeugung: Sobald das Ventil offen ist, strömt die komprimierte Luft aus dem Windladen in die entsprechende Orgelpfeife und bringt diese zum Klingen – ähnlich wie bei einer Blockflöte.bluemich.net +6

Das Orgelgehäuse

Die Windanlage

Die Windanlage besteht aus

  • Schöpfbälge: Diese saugen die Luft an und pumpen sie in einen Sammelbalg (Magazinbalg).
  • Magazinbalg: Dieser dient als Speicher und sorgt durch Federdruck für einen gleichmässigen Luftstrom (Winddruck), damit die Töne nicht schwanken.
  • Materialien: Klassische Bälge bestehen aus Holzplatten, die mit flexiblem Leder (oft Schaf- oder Ziegenleder) luftdicht verbunden sind.

Das Schema dazu

Ein Teil aus dem Plan ist gefertigt

Die Windanlage ist gebaut

Sie wird im Gehaüse montiert